Samstag, 19. November 2016

Materialkunde - Was ist eigentlich in Bettdecken und Kopfkissen drin?

Bettdecken Füllmaterialien - was ist drin?
Bettdecken Füllmaterialien - was ist drin?
Was ist eigentlich in Bettdecken und Kopfkissen drin? Wir haben die wichtigsten Materialien und Ihre Eigenschaften kurz für Sie im Überblick.

Bettdecken und Kopfkissen gibt es mit den unterschiedlichsten Füllungen. Jedes Material hat seine Besonderheiten, seine spezifischen Eigenschaften. Steht man vor dem Bettdeckenkauf oder ist auf der Suche nach einem neuen Kopfkissen, steht man deshalb fast zwangsläufig vor der Frage, welches Material für die eigenen Bedürfnisse das Richtige ist.

Um Ihnen die Orientierung ein wenig zu erleichtern, haben wir für Sie die gängigsten Fasern und deren Merkmale nachstehend zusammengefasst.


So können Sie sich schnell einen Überblick verschaffen und die wichtigen Details kennenlernen.

Baumwollbettdecke
Baumwollbettdecke

Baumwolle

Baumwolle ist ein Textil-Klassiker. Mit einem Anteil von knapp über 30% an der weltweiten Textilfaserproduktion ist es die mit Abstand meist verwendete Natur- Faser. Sowohl als Material für Bettwaren als auch als Heimtextilie oder als Kleidung leistet Baumwolle beste Dienste. Denn die natürliche Faser ist atmungsaktiv, verfügt über ein gutes Feuchtigkeitsmanagement und wird auf der Haut als angenehm empfunden. Aufgrund dieser Eigenschaften ist sie als Bezugsstoff und Füllung für Bettdecken und Kopfkissen geeignet und bietet sich auch als pflegeleichte Bettwäsche oder für Handtücher an.

Sie kann ein Vielfaches ihres eigenen Gewichts an Wasser aufnehmen. Neben einer hohen Schmutz- und Ölaufnahmefähigkeit, besitzt sie auch das Vermögen, die aufgenommenen Substanzen wieder abzugeben. Häufig ist sie für Kochwäsche geeignet und kann damit bei bis zu 95°C in der Waschmaschine gewaschen werden. Einziger Nachteil ist, dass sie relativ langsam wieder trocknet.

Alles in Allem ist Baumwolle ein äußerst pflegeleichtes und langlebiges Material, das gemeinhin als sehr angenehm wahrgenommen wird.

Leinen

Leinen ist ebenfalls ein Klassiker im Schlafzimmer. Als edle und zugleich pflegeleichte Bettwäsche war Leinen lange Zeit nicht aus den deutschen Schlafzimmern wegzudenken, bis die günstigere Baumwolle sie zu größeren Teilen aus dem Sichtfeld verdrängt hat. Inzwischen feiert die strapazierfähige Flachsfaser aber ihr Comeback.

Liebhaber von Leinen wissen um die Langlebigkeit und die guten Pflege- und Wascheigenschaften (kochfest) von Leinen. Die Pflanzenfaser wirkt im Sommer bei hohen Temperaturen auf natürliche Weise kühlend. Damit ist das luftige und atmungsaktive Material für leichte Sommerdecken wie geschaffen.

Microfaser

Genau genommen ist Microfaser oder Mikrofaser eine Sammelbezeichnung für Polyester. Die Hohlfasern mit hoher Bauschkraft können - oft abhängig von der Preislage - extrem unterschiedliche Eigenschaften haben. Allen gemeinsam sind aber die guten Wascheigenschaften und die Langlebigkeit. Viele Microfasern sind kochfest und häufig auch für Allergiker geeignet. Microfaser-Bettdecken gibt es fürs ganze Jahr.

Wer zum Schwitzen neigt, sollte auf atmungsaktive Bettdecken zurückgreifen.

Lyocell

Lyocell wird aus schnell nachwachsenden Holzarten gewonnen, besteht also aus 100% Zellulose und ist wie Baumwolle eine Faser botanischen Ursprungs. Lyocell hat einen weichen Griff und fällt fließend. Wie Baumwolle ist es sehr atmungsaktiv, nimmt im direkten Vergleich aber sogar bis zu 30 % mehr Feuchtigkeit auf und gibt diese auch zügig wieder ab. Das Resultat: ein angenehm trockenes Schlafklima.

Das macht Bettwaren aus Lyocell für Allergiker und Rheumatiker attraktiv. Durch das trockene Schlafklima des hypoallergenen Materials wird das Wachstum von Mikroorganismen auf natürliche Weise gemindert. Beste Voraussetzungen für einen effektiven Schutz vor Bakterien und Hausstaubmilben. Zusätzlich kann es bei bis zu 60°C in der Waschmaschine gewaschen werden und ist teilweise trocknergeeignet.

Das luftige Material eignet sich damit besonders für Sommer oder Ganzjahresdecken. Allerdings ist es in der Regel recht "flach". Eine Beimischung beispielsweise von bauschigerer Mikrofaser kann diesen Nachteil jedoch ausgleichen.

Bambus, Mais und Soja-Proteinfaser (Viscose)

Bambus zeichnet sich durch ähnliche Eigenschaften aus, wie Lyocell. Auch die Viskosefasern aus Bambus sollen die Ausbreitung von Mikroorganismen in der Bettdecke oder dem Kopfkissen auf natürliche Weise hemmen und für ein trockenes Schlafklima sorgen.

Mais finden wir im Etikett als Polylactide wieder. Es weist ähnliche Eigenschaften auf, wie Lyocell oder Bambus, ist aber wesentlich preiswerter.

Die Proteinfaser Soja zeichnet sich mit ihrer Feuchtigkeits- und Wärmeregulierung durch ein ähnlich trockenes Klima aus. Zudem ist das umweltverträgliche Soja sehr hautfreundlich und wirkt antibakteriell und antifugal.

Schafwolle Kopfkissen
Schafwolle Kopfkissen

Schafwolle

Schlafwolle schützt hervorragend vor Kälte, aber auch vor Hitze, wirkt klimaregulierend und temperaturausgleichend. Im Vergleich zu anderen Tierhaarfüllungen, wie Kamel oder Kaschmir, ist es etwas fester im Griff und insgesamt weniger anschmiegsam.

Wie alle Tierhaarqualitäten verfügt Schafwolle über eine hohe Selbstreinigungskraft durch die fetthaltige Beschichtung der feinen Härchen. So reicht regelmäßiges Lüften an der (nass-kalten) frischen Luft aus. Schön und sehr beliebt wegen ihres hohen Wärmerückhaltevermögens ist reine Schurwolle- Qualität.

Die Wolle vom Argali Schaf - auch bekannt als Marco-Polo-Schaf - ist besonders weich und bauschig. Sie schafft durch ihre temperaturausgleichende Wirkung ein trockenes Schlafklima. Sie hat ein hohes Wärmevermögen und fühlt sich dank der guten Feuchteregulation nicht klamm an. Damit ist Argali-Wolle eine echte Alternative zu Kaschmir oder Kamelhaar.


Kamelhaar

Kamelhaar ist ein leichtes und anschmiegsames Füllmaterial und ideal für Bettdecken; von der leichten Sommerdecke bis zur warmen Winterdecke. Kamelhaar ist besonders temperaturausgleichend und wirkt auch regulierend bei kurzfristigen Änderungen und Temperaturschwankungen. Damit ist es für "wechselwarme" Schläfer ideal. Das flauschig weiche Haar ist sehr luftdurchlässig, sodass sich Kamelhaardecken auch für Wasserbetten eignen.

Dank der Selbstreinigungskraft des Tierhaars, ist eine Wäsche nicht notwendig. Es genügt regelmäßiges Lüften, am besten in der taudurchtränkten Morgenluft.

Kaschmir

Das Haar der Kaschmirziege ist sehr fein und gilt als sehr edel. Kaschmir verfügt über ähnliche Eigenschaften, wie Kamelhaar. Es wirkt klimatisierend und bietet sich für Schläfer an, die ein trockenes Schlafklima bevorzugen; Rheumatiker zum Beispiel können deshalb von einer Kaschmirdecke profitieren. Es wirkt Temperaturschwankungen weniger entgegen als Kamelhaar, ist im Vergleich bei gleichem Füllgewicht dafür aber fühlbar wärmer. Dadurch können wunderbar leichte Kaschmirdecken mit gutem wärmevermögen hergestellt werden. Aufgrund des sehr guten Wärmevermögens können Kaschmir-Betten denn auch für Menschen mit höherem Wärmebedarf empfohlen werden.

Seide

Seide ist die einzige natürliche textile Endlosfaser. Dieses äußerst edle Garn gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Für Bettwaren-Füllungen wird in den meisten Fällen die etwas günstigere sogenannte Wildseide bzw. Tussah-Seide verwendet. Im Gegensatz zur Zuchtseide, der Maulbeerseide, sind die Fasern kürzer und werden während des Verarbeitungsprozesses in der Regel nicht (vollständig) entbastet.

Seide besteht zum größten Teil aus Proteinen und ist in ihrem Aufbau der menschlichen Haut sehr ähnlich. Sie ist sehr leicht und zart, anschmiegsam mit fließendem Fall und dennoch sehr strapazierfähig und langlebig.

Seidenbetten sind besonders leicht und wirken dank des ausgezeichneten Feuchtigkeitsausgleichs im Sommer kühlend. In der Übergangszeit kann Seide aber auch mit einem angenehmen Wärmevermögen punkten. Mittelwarme Decken bieten sich z.B. für beheizte Schlafräume auch im Winter an.

Die exquisiten Seidendecken sind deshalb vor allem für alle geeignet, die eine extra leichte Bettdecke bevorzugen, die sich aber gut an den Körper anschmiegt. Die atmungsaktiven Decken leiten Feuchtigkeit sehr gut an und eignen sich wegen der temperaturausgleichenden Eigenschaften auch gut für Wasserbetten.

Seidenbetten sind häufig auch für Allergiker geeignet, da die Faser sehr glatt ist und damit kaum staubt und auch kaum Staub aufnimmt. Lüften hält die Bettdecken frisch. Seide sollte beim Lüften oder trocknen aber nie dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden. Auch direkter Kontakt mit Parfümen u.ä. ist ebenfalls zu vermeiden.
Daunen Bettdecke
Daunen Bettdecke

Daunen

Daunen sind kuschelig und leicht. Kein anderes Material ist so schön flauschig und füllig bei so geringem Gewicht. Auch ist das Wärmevermögen von Daunen enorm. Wer auf der Suche nach einer warmen Decke ist, ist mit Daunen eigentlich immer gut beraten. Da viele Daunendecken bei 60°C waschbar und mit milbendichten Bezügen ausgestattet sind (Auskunft hierüber gibt z.B. das NOMITE-Label), werden sie denn häufig auch als geeignet für Hausstauballergiker eingestuft. Zu häufiges Waschen kann allerdings dazu führen, dass die Federkiele brechen und die Bettdecke an Volumen einbüßt.

Während des gesamten Trocknungsprozesses nach dem Waschen sollten Daunendecken wiederholt mäßig bis kräftig aufgeschüttelt werden, damit die Bettdecke auch wirklich ganz durchtrocknen kann. Das verhindert auch eine Verklumpung der feinen Daunen und Federchen. Genau wie Bettdecken aus Seide, sollten auch Daunendecken nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Denn die im Sonnenlicht enthaltenen UV-Strahlen bewirken, dass die Federkiele austrocknen: sie werden spröde und brüchig.

Bei Kopfkissen mit Daunenfüllung ist das Mischverhältnis ausschlaggebend für dessen Stützkraft. Es gilt: Je mehr Federn beigemischt sind, desto stützkräftiger ist das Kissen. Je höher hingegen der Daunenanteil ist, desto häufiger sollten die Bettwaren aufgeschüttelt werden.

Übrigens: Die bekannte Halbdaune ist eine Mischung aus 15% Daune und 85% Federn. Die sogenannte ¾-Daune setzt sich aus 30% Daunen und 70% Federn zusammen.

Daunen legen sich dicht über- und ineinander. Dadurch wird Wärme optimal gehalten. Feuchtigkeit wird aber nur mäßig abgeführt und an die Umgebungsluft weitergegeben. So entsteht ein eher feucht-warmes Schlafklima, das allerdings nicht für jeden gleichermaßen gut geeignet. Wer z.B. unter Rheuma leidet oder zum Schwitzen neigt, sollte lieber auf atmungsaktive Bettwaren mit trockenem Schlafklima zurückgreifen.